Die Tatsache, dass die Bewegungen in der Einzelarbeit teilweise sehr klein sind verwundert viele Patienten/Schüler (in der Feldenkrais-Arbeit, die sich als Lernmethode versteht, spricht man von "Schüler", daher verwende ich im Folgenden diesen Begriff).
Das große Bewegungen mehr bewirken als kleine, scheint zunächst einleuchtender. Doch einer genaueren Untersuchung hält die Idee "Viel (=groß) hilft viel" nicht stand.
Um das zu verstehen, müssen wir uns über die Zielsetzung der Feldenkrais-Arbeit klar werden.
Als Feldenkrais-Lehrer gehe ich zunächst einmal davon aus, dass die Beschwerden, die jemand hat, ursächlich mit dessen Bewegungsverhalten zusammenhängen. Damit sind Fragen wichtig wie "Wie wird das Gewicht des Kopfes und des Oberkörpers über das Becken auf die Beine übertragen, im Sitzen, Stehen und Gehen?", "Wie bewegen sich Kopf, Schultergürtel und Rippen zusammen?" oder "Welche Bewegungsmöglichkeiten hat das Becken?".
Bei sehr groben Auffälligkeiten genügt es manchmal, die Bewegungen des Schülers zu beobachten. Feinere Unterschiede erfahre ich, indem ich den Menschen berühre und sanft bewege. Je feiner die Bewegungen sind, umso mehr Informationen erhalten wir beide, der Schüler und ich. Die Sanftheit und Langsamkeit der Bewegungen ermöglichen ein achtsames Lauschen in den Körper. "Wie wird die Bewegung der linken Schulter auf die Rippen übertragen und wie ist es auf der rechten Seite?"; "In welche Richtung bewegt sich das Becken leicht?"
Durch diese Fragen wird der Schüler in den Mittelpunkt gestellt. Denn nur wenn man wirklich wahrnehmen kann, was man macht, wie man sich bewegt, können günstigere Möglichkeiten gefunden werden. Alles andere ist eher Korrektur, teilt dem Schüler zumindest auf unbewusster Ebene mit, dass seine Bewegungen falsch sind. Aber das, was jetzt da ist, war irgendwann oder für irgendeine Gelegenheit zweckmäßig, aber jetzt passt es nicht mehr. Dabei ist das Ziel der Arbeit kein Ersetzen sogenannter falscher Bewegungsmuster, sondern fast immer eine Erweiterung der Bewegungsmöglichkeiten. So wird dem Nervensystems des Schülers die Gelegenheit gegeben, sich je nach Bedarf angemessen zu bewegen.
Lakronstraße 13